Ins Rollen gebracht: Fast jedes in Deutschland produzierte Fahrzeug fährt mit Bauteilen aus dem Erzgebirge

Am 11. Februar 2014 wurde in Leipzig die komplette Fertigungslinie für die Produktion des kompakten Geländewagens Porsche Macan eröffnet. Die erneute Werkseröffnung eines deutschen Automobilherstellers in Sachsen ist ein wichtiger Standortbeweis für die Automobilproduktion im Freistaat und für die Zulieferindustrie, die für das Erzgebirge große wirtschaftliche Bedeutung besitzt. Die Nähe zu Automobil-Hochburgen wie Zwickau, Leipzig oder Dresden, erstklassige Ausbildungsmöglichkeiten für den Nachwuchs an den Technischen Hochschulen des Freistaates sowie in den metallverarbeitenden Betrieben der Region und natürlich Qualität „Made in Germany“ sind wichtige Standortvorteile für die Region.

Annaberg-Buchholz, 14. Februar 2014. Rollen Neuwagen in den Produktionsstandorten deutscher Automobilhersteller vom Band, sind in aller Regel Fahrzeugbauteile aus dem Erzgebirge mit an Bord. Über 160 spezialisierte Zulieferbetriebe stellen wettbewerbsfähige Produkte für die deutsche Automobilindustrie her. Die Bandbreite reicht von Turboladergehäusen und Auspuffanlagen, über Airbagsysteme und elektronische Sensoren, bis hin zu Gussteilen oder Umformwerkzeugen für Karosseriebauteile. So kamen beispielsweise Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten serienmäßig gefertigten Metallkarosserien für PKW aus dem Erzgebirge.

Ein Blick in die Wirtschaftszahlen zeigt, im Erzgebirgskreis arbeiten ca. 30% (Stand 2012) der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wirtschaftsbereich verarbeitendes Gewerbe.[1] Die wichtigsten Branchen sind dabei mit 51% Betriebe der metallverarbeitenden Industrie, der Maschinenbau und die Elektrotechnik/ Elektronik. In diesen drei Industriebranchen arbeiten fast 60%[2] aller Beschäftigten im Erzgebirgskreis. Die starke Zulieferorientierung der erzgebirgischen Wirtschaft ist an einer unterdurchschnittlichen Exportquote von etwas weniger als 30% dokumentiert, denn der Großteil, der in der Region gefertigten Produkte, wird in deutschen Unternehmen dann zum Endprodukt verbaut. Qualität, Innovation, Erfahrung und das Tüfteln an den besonderen Details, welche die Automobiltechnik von heute ausmachen, zeichnet die Unternehmen des Automobilzuliefer-Standortes Erzgebirge aus. Natürlich zählen zum Zulieferstandort auch kleinere Unternehmen, wie zum Beispiel die M&M Exhaust GmbH aus Annaberg, die in den hier genannten Zahlen, auf Grund ihrer Größe, statistisch gar nicht erfasst werden.[3]

Mit dem richtigen Dreh

Eine der größten Drehereien der Region, die Meyer Drehtechnik GmbH aus Marienberg, produziert vorrangig für die Automobilbranche. Das mittelständische Familienunternehmen, welches durch die Gebrüder Jörn und Daniel Meyer geführt wird, ist spezialisiert auf die Fertigung von Drehteilen für Mittel- und Großserien im Durchmesserbereich von 5 – 90mm. Diese kommen als Motorkomponenten, speziell als Nockenwellenendstücke zum Einsatz, aber auch Sicherheitskomponenten und andere Fahrzeugbauteile werden durch die Meyer Drehtechnik produziert.

Aktuell arbeiten am Standort in Marienberg 126 Mitarbeiter. Aufgrund konstant starker Auftragszahlen wird das Unternehmen in den nächsten Monaten weiter expandieren und die Logistik in ein nahegelegenes eigenes Logistikzentrum auslagern, um am Produktionsstandort die Fertigungskapazität zu erhöhen.

Im Bereich von Motor- und Fahrgestellkomponenten ist die Meyer Drehtechnik auch an der Produktion innovativer Technologien beteiligt. So wird ein Endstück für die erste gebaute Nockenwelle für Porsche produziert. Anders als bei Nockenwellen die aus Vollmaterial geschmiedet oder gegossen werden, ist der Bausatz leichter, kostengünstiger, eröffnet die Möglichkeit verschiedene Materialien optimal einzusetzen und erhöht die Flexibilität in der Fertigung.

Metallgusswerke mit Tradition und Innovation

In der Handtmann Leichtmetallgießerei Annaberg GmbH übernehmen rund 360 Mitarbeiter die Verantwortung für mehr als 9.000 Tonnen Aluminiumdruckgussteile inklusive einer hochwertigen Gussnachbearbeitung. Das  Unternehmen gehört zur Gießereisparte der Firmengruppe Handtmann in Biberach, welche heute Deutschlands größte Aluminiumgießerei in Familienbesitz ist.

Heute beliefern die Handtmann Metallgusswerke alle namhaften Automobilhersteller wie Daimler AG, Volkswagen AG, AUDI AG, BMW AG, Adam Opel AG und die Porsche AG sowie zahlreiche Zulieferer.

Spezialisiert ist der Systemlieferant für die Automobilindustrie vorrangig auf Motoren- und Getriebeteile wie Ölwannen, Getriebegehäuse für PKW und LKW, abgasführende Bauteile, Gehäuse für Benzin- und Ölpumpen. Selbstverständlich spielt Handtmann auch bei künftigen Antriebstechnologien von Hybrid- und Elektrofahrzeugen mit innovativen Entwicklungen eine große Rolle. So werden in Annaberg komplexe Motorlagerungen mit höchsten mechanischen und dynamischen Eigenschaften, die hohen Belastungen standhalten, für die Porsche AG produziert.

Der Autoflüsterer aus dem Erzgebirge

Der weltweit bekannte Auspuffspezialist M&M Exhaust kommt nicht zufällig aus dem Autoland Sachsen. Seit dreizehn Jahren produziert das Annaberger Unternehmen Anlagen für Rennsportteams und Tuningfirmen in der ganzen Welt. Innovation und Handwerkskunst gehen dabei Hand in Hand, so können kundenindividuelle Bedürfnisse maßgeschneidert bedient werden. Einen Namen im internationalen Motorsport hat sich M&M Exhaust durch Auspuffsysteme gemacht, die geltende Lärmvorschriften im Rennsport einhalten, ohne einen Leistungsverlust der Rennboliden. Dies ist ein wichtiger Erfolgsfaktor des erzgebirgischen Unternehmens, gerade da die Lautstärkebestimmungen im Motorsport weltweit stetig strenger reguliert werden. Aktuell stellt M&M Exhaust jährlich über 500 Auspuffanlagen her, etwa die Hälfte wird für den Einsatz im Motorrennsport produziert. Der Tuningspezialist hat sich mit Produkten für großvolumige und leistungsstarke Motoren etabliert. Anfangs vor allem für Porsche baut M&M Exhaust inzwischen für zehn Automobilmarken Auspuffanlagen, unter anderem für Ford, VW, Corvette, Audi, Ferrari, Cobra oder BMW. Das Unternehmen aus dem Erzgebirge bietet Komplettlösungen für Auspuffanlagen in verschiedensten Kombinationen. Dazu zählt die Neuentwicklung auf dem Gebiet der Thermoisolation, denn die Reduzierung der Hitzeentwicklung spielt im Rennsport eine besonders große Rolle. Diese Technik wurde für Auspuffsysteme aus Edelstahl und Titan entwickelt und kommt auch in der aktuellen Motorsportsaison im internationalen GT- und Formelsport zum Einsatz.

Zabag-Tor sichert Logistikzentrum

Das Metallverarbeitende Gewerbe im Erzgebirge reicht aber weit über die Automobilbranche hinaus. So sichern Zugangsanlagen aus Grünhainichen Industriegebäude, Flughäfen und sogar Botschaften in der ganzen Welt. Auch Automobilunternehmen vertrauen auf die Sicherheitstechnik der ZABAG Security Engineering. Ein 21 m freitragendes Teleskop-Schiebetor Typ KOMBI TZ mit 2% Gefälle ist beispielsweise in einem Logistikzentrum von Porsche seit Herbst letzten Jahres in Betrieb.

Auch wenn im Erzgebirge keine Image-trächtigen Endprodukte hergestellt werden, so sind es doch erst die Bauteile und Komponenten, die jedem Fahrzeug seine Eigenheiten verleihen. Und mit ziemlicher Sicherheit befindet sich in jedem deutschen PKW ein Stück Erzgebirge.

Hintergrundinformation Regionalmanagement Erzgebirge:

Das Regionalmanagement Erzgebirge versteht sich als Dienstleister und Berater, aber auch als Ideengeber und Promoter für die Region. Im Projekt „Erzgebirge 2020“ soll das Erzgebirge durch ein aktives Regional- und Standortmarketing als Wirtschaftsstandort und lebenswerte Region in Deutschland bekannt gemacht werden.

 

Medienkontakt:

Kristin Escher

PR- und Marketingmanagement

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[1] Im Erzgebirgskreis gibt es insgesamt 108.625 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. 35.837 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in der Industrie. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Stand Juli 2013).
[2] Das entspricht 19.587 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Stand Juli 2013).
[3] Das Statistische Landesamt erfasst in den Daten zu den Wirtschaftsbereichen lediglich Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten jährlich. Kleine- und Kleinstunternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten, die aber fast 90% der erzgebirgischen Wirtschaft ausmachen, werden nicht erfasst.