von Thorsten Horn |

Matteo Cairoli (ITA), Michael Christensen (GBR) und Kevin Estre (FRA) gewannen im Porsche 911 GT3 R des Teams Manthey-Racing die 49. Ausgabe des legendären 24h-Rennens auf dem Nürburgring, bei welchem wieder Geschichte geschrieben wurde. Diese musste zum nun schon neunten Mal abgebrochen werden. Das war zuvor 1992, 1994, 2007, 2013, 2016, 2018 und 2020 der Fall. Da sich dieser Umstand in den letzten Jahren häuft, könnte man meinen, dass das seit eh und je bescheidene Eifelwetter immer schlechter wird. Diesmal wurde in Sachen Rennunterbrechung ein neuer Minusrekord aufgestellt. Denn auf Grund der rund 14,5-stündigen Unterbrechung von Samstagabend ca. 21:30 Uhr bis genau Sonntagmittag blieben gerade einmal neuneinhalb Stunden Rennaction.

Das Sieger-Trio fuhr zum Leidwesen der anwesenden Fans nur kümmerliche 59 Runden. Dank eines genehmigten Konzeptes waren pro Tag bis zu 10.000 Zuschauer auf den Tribünen der Grand-Prix-Strecke zugelassen.

Der obligatorische und überdurchschnittlich oft in flüssiger Form dargereichte Eifeler Sonnenschein fiel diesmal schon in der ersten Rennstunde erstmals vom Himmel, sodass eine erste Pirouetten-Party gefeiert wurde. Bei manchen Protagonisten endeten die Feierlichkeiten allerdings an der „Leid“-planke. Das Problem ist dabei immer das gleiche – die Kombination aus Nürburgring Grand-Prix-Kurs und Nordschleife misst 25,378 km. Während es an manchen Streckenteilen trocken ist, steht anderswo das Wasser knöchelhoch. Und wenn man erst einmal eine neue Runde angefangen hat und sich auf der Nordschleife gegebenenfalls auch mit den eigentlich falschen Reifen befindet, muss man die mit ihren allein 73 Kurven grünen Hölle irgendwie meistern.

Nachdem die Strecke abgetrocknet und der Kampf um die Spitze unter gleichen Bedingungen eröffnet war, kam die zweite Nürburgring-Konstante ins Spiel – Nebel. Nach sechs Stunden wurde das Rennen per roter Flagge beendet bzw. unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt lag das Vorjahressiegerauto mit der Startnummer 1 außen und Nicky Catsburg (BEL), John Edwards (USA), Philipp Eng (AUT) und Nick Yelloly (GBR) in losem Wechsel innen eines BMW M6 GT3 vom Team Rowe Racing in Führung. Dahinter folgten die anfangs lange Zeit führenden Adam Christodoulou (GBR), Maro Engel (GER), Manuel Metzger (GER) und Luca Stolz (GER) in einem Mercedes-AMG GT3 vom Team Mercedes-AMG Team HRT.

Auf Platz drei lag ein weiterer BMW M6 GT3, und zwar jener von Schubert Motorsport und dem fahrenden Personal Jesse Krohn (FIN), Jens Klingmann (GER), Alexander Sims (GBR) und Stef Dusseldorp (NED).

Der bestplatzierte Audi R8 LMS wurde von Michele Beretta (ITA), Frank Stippler (GER), Kim-Luis Schramm (GER) und Nicki Thiim (DEN) pilotiert und von Phoenix Racing eingesetzt.

Zwar hatten sich schon ein paar wenige der ursprünglich an die 30 Siegoder zumindest Podestkandidaten mit ihren GT3-Autos aus der Klasse SP9 aus dem Vorderfeld verabschiedet, aber bis Platz 21 lagen alle noch in einer Runde.

Nach dem Abbruch waren bis zum Neustart auch die Zeitdifferenzen hinfällig, sodass man von einem neuen dreieinhalbstündigen Sprintrennen sprechen muss. Dementsprechend wurde mit harten Bandagen gekämpft. Zwar war die Sicht inzwischen gut genug, um das Feld unbesorgt auf die Reise schicken zu können, doch neblig blieb es den ganzen restlichen Tag.

Zu Beginn der letzten Rennstunde lagen noch 14 Autos in einer Runde und hatten demzufolge noch mehr oder weniger intakte Siegchancen. Mit den wenigsten Fehlern und der besten Strategie in Sachen Timing der Boxenstopps gewannen Matteo Cairoli, Michael Christensen und Kevin Estre, der letztlich den fahrerischen Unterschied machte, mit gerade einmal acht Sekunden Vorsprung vor Connor de Phillippi (GBR), Martin Tomczyk, Sheldon van der Linde und Marco Wittmann in einem BMW M6 GT3 von ROWE Racing. 40 Sekunden nach den Siegern trafen Maximilian Götz, Daniel Juncadella (ESP) und Raffaele Marciello (ITA) mit ihrem Mercedes-AMG GT3 vom Team GetSpeed im Ziel ein. Gleich viele, in dem Fall wenige, Runden wie die Sieger hatten letztendlich neun Teams abgespult.

Kurios war auch, dass ein Team nicht einmal eine Runde zusammenbrachte. Nach der Einführungsrunde ging der Porsche, in dem auch der Oberwiesenthaler Maximilian Koch zum Einsatz kommen sollte, nach wenigen Kilometern insgesamt bzw. nur wenigen hundert Metern auf der Nordschleife aufgrund eines technischen Defekts per Feuerball in Rauch auf. Trotz eifriger Löschversuche, war nichts mehr zu machen, als zusammenzupacken. Damit verzeichnete das Porsche-Team einen der frühesten (Total-)Ausfälle in der Geschichte des 24h-Rennens auf dem Nürburgring. Für Maximilian Koch blieb es bei nur sechs Trainingsrunden. Dabei hatte man sich mit der schnellsten Trainingszeit in der SP 7 einiges in Sachen Klassensieg ausgerechnet.